Rektorin Prof. Dr. Kerstin Krieglstein und Prof. Dr. Michael Schwarze, Prorektor für Studium und Lehre, im Gespräch mit seiner Majestät Effoudou III, Chef Supérieur des Maka-Bebend-Königreiches ersten Grades der Region Atok in Kamerun.
| © Michael Spiegelhalter / Universität FreiburgProvenienzforschung trägt Früchte: Opfer kolonialer Gewalt werden gewürdigt
Am Donnerstag, den 16. Juli 2026, versammelten sich Vertreter*innen der Maka aus Kamerun, Wissenschaftler*innen der Universität Bertoua/Kamerun sowie die Leitung der Universität Freiburg in der Universitätskirche Freiburg zu einem feierlichen Gottesdienst. Die ökumenisch gestaltete Zeremonie, die durch traditionelle Elemente der Maka ergänzt wurde, stand im Zeichen des Gedenkens und der Würdigung von sechs Ahnen der Maka, die im Kampf gegen die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun getötet und seitdem an der Universität Freiburg verwahrt wurden.
ABI-Direktor Andreas Mehler über die Bedeutung dieser Zeremonie:
„Im deutsch-kamerunischen Verhältnis konzentrierte sich die bisherige Beschäftigung mit dem kolonialen Erbe hierzulande stark auf Kulturgüter in deutschen Museen. Genauso wichtig ist aber die schmerzvolle Geschichte von universitären „Sammlungen“ toter Menschen, vor allem aus dem Blickwinkel besonders betroffener Gemeinschaften. Erstmals konnte die Repatriierung nun „Ahnen“ – das ist die ernst zu nehmende Perspektive der Maka – aus Kamerun nun konkret vorbereitet werden. Das ist ein ganz großer Schritt nach vorne, ermöglicht durch die Universität Freiburg; sie hat sich hier vorbildlich verhalten – genauso wie die kamerunische Diaspora in Freiburg und Fachkollegen aus Kamerun wie Prof. Albert Gouaffo und Dr. Richard Tsogang-Fossi.“
Seine Majestät Effoudou III, Chef Supérieur des Maka-Bebend-Königreiches ersten Grades der Region Atok in Kamerun bei seiner Ansprache zu Ehren der Ahnen.
| © ABI | Helga DickowForschung am ABI
Die bevorstehende Rückführung der Ahnen ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen von deutscher und kamerunischer Seite. Schon 2021-2023 leitete ein dreiköpfiges Team, darunter ABI-Direktor Mehler das Projekt "Provenienzforschung mit Restitutionsperspektive: Forschungsprojekt zum Umgang mit der Alexander Ecker Sammlung". Gemeinsam mit der Universität Freiburg und gefördert von der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste (DZK) arbeitete das interdisziplinäre Team zum Thema Restitution von „menschlichen Überresten“.
ABI-Direktor Andreas Mehler zur Bedeutung der Provenienzforschung in der Vorbereitung der bevorstehenden Repatriierung
„Ohne die Vorarbeiten in einem vom DZK finanzierten Projekt wären die jetzigen Fortschritte nicht möglich gewesen. ABI und ACT haben sich insbesondere mit der Organisation eines wissenschaftlichen Beirats – besetzt mit internationalen, nicht zuletzt afrikanischen Expert*innen – beschäftigt. Dieser schlug Priorisierungen auf der Grundlage der zwei Hauptkriterien vor: ‚verifizierbarer und außerordentlicher Gewaltkontext‘ sowie ‚genügend Evidenz in der Provenienzforschung‘.
So erklärt sich die Priorisierung dieser Ahnen und die folgende Pilotforschung in Ostkamerun 2024 sowie ein erster Delegationsbesuch der Maka im Frühjahr 2025, organisiert durch das Africa Centre for Transregional Research (ACT). Ohne die umsichtige Vorbereitung durch Dr. Christoph Balzar, zuständig für die Freiburger „Provenienzforschung zu kolonialen Wissenschaftssammlungen“, wäre der große Fortschritt in jüngster Zeit allerdings nicht möglich gewesen. Genauso wichtig ist der Fortschritt der internen Diskussion an der Universität. Dessen Ausdruck ist nun die einfühlsame und inhaltlich starke Rede von Rektorin Prof. Kerstin Krieglstein, die verdeutlicht, dass die jetzige Zeremonie keinen Schlusspunkt der gemeinsamen Aufbereitung kolonialer Gewalt darstellt.“
Aus dem Projekt gingen verschiedene Arbeiten hervor:
- Politikempfehlungen von Wazi Apoh, Reinhart Kössler, Andreas Mehler sind als PDF verfügbar, auf Englisch, Deutsch und auf Französisch.
- Im Nachgang des Projekts schrieben Andreas Mehler und Kokou Azamede gemeinsam über Chancen und Leitwerte für die Aufarbeitung kolonialer Unrechtskontexte und für Restitutionen. Der Artikel ist im Joint Future Blog erschienen: „Restitution als Chance zum Dialog zwischen Zentrum & Peripherie”
- Politikempfehlungen von Richard Tsogang Fossi und Andreas Mehler: „„Menschliche Überreste” in Universitätssammlungen”, verfügbar auf Deutsch und Französisch.
- Im Rahmen der Wissenschaftskommunikation wurden mehrere Videos erarbeitet, unter anderem „Mortui Vivos Docent”, das das Projekt und die Abschlusskonferenz dokumentiert:
Es sind zahlreiche Medienbeiträge zur Übergabe erschienen:
https://evangelische-zeitung.de/universitaet-freiburg-gibt-menschenknochen-an-kamerun-zurueck/
https://www.sonntagsblatt.de/artikel/epd/uni-freiburg-gibt-sechs-ahnen-der-maka-kamerun-zurueck