Prof. Rashed Uz-Zaman während seiner Vorlesung.
| © ABIAm 26. Januar veranstaltete das ABI ein Event mit dem Titel „Peacekeeping and Norms Adherence in Bangladesh and Beyond“. Die Veranstaltung befasste sich mit Bangladeschs Beteiligung an UN-Friedensmissionen über einen Zeitraum von fast vier Jahrzehnten. Vor allem ging es um die Frage, wie dieses anhaltende Engagement auch innenpolitisch die Einhaltung von Normen beeinflusst, darunter die Achtung der demokratischen Ordnung, ausgewogene Beziehungen zwischen Zivilbevölkerung und Militär sowie die Gleichstellung der Geschlechter.
In seinem Vortrag „Bangladesh Armed Forces in UN Peacekeeping Operations and Democracy: No Norms Matter?“ zeichnete Rashed Uz-Zaman (University of Dhaka) die Entwicklung von Bangladeschs Militär über die letzten fünf Jahrzehnte nach und diskutierte inwieweit die Normen der Friedenssicherung die Streitkräfte des Landes geprägt haben. Darüber hinaus legte er dar, was dies für die Zukunft von Bangladesch bedeutet, insbesondere im Kontext der aktuellen Debatten über den Nutzen der UN-Friedenssicherung. Ein Kernpunkt, den Uz-Zaman herausgearbeitet hat, bezieht sich auf den Einfluss der Friedensmissionen auf die Innenpolitik Bangladeschs: Die UN-Missionen führten zu einem Wandel im Selbstbild des Militärs, seit Beginn der Missionen blieben Militärputsche im Land aus.
Im Anschluss sprach Emma Birikorang, stellvertretende Direktorin und Leiterin des Programms für Friedenssicherungseinsätze am Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre (KAIPTC), über die normative Ausbildung von ghanaischen Friedenstruppen. Es folgte ein zweiter Kommentar von ABI-Mitarbeiter Tim Glawion zu möglichen Spannungen zwischen der Einhaltung von Normen und dem Schutz der Zivilbevölkerung.
In der folgenden offenen Diskussion ging es um die Frage, wie die UN-Friedenssicherung heute legitimiert wird. In einer Zeit, in der internationale Normen zunehmend missachtet werden, steht auch die Friedenssicherung in Frage. Schließlich basiert sie auf der Annahme, dass Staaten sich an gemeinsame Normen halten. Die Teilnehmenden nannten verschiedene Herausforderungen für die Friedensmissionen und diskutierten am Beispiel von Bangladesch, wie diese gemeistert werden könnten. Dabei müssen Hierarchien innerhalb der internationalen Friedenssicherung unbedingt berücksichtigt werden, diese zeigen sich beispielsweise in Entscheidungsprozessen oder auch der Finanzierung. Eine mögliche Strategie könnte es sein, einen intensiveren Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren des Globalen Südens in der Friedenssicherung aufzubauen.
Nicht zuletzt ging es um die Gleichstellung der Geschlechter in der UN-Friedenssicherung, wie beispielsweise der fehlenden Unterstützung für weibliche Friedenssicherungskräfte und der schwierigen Wahl zwischen Auslandseinsätzen und regulärer Arbeit sowie Care-Arbeit.
Teilnehmende im Konferenzraum des ABI.
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