Der Tschad räumt dem Arabischen in den Schulen den gleichen Stellenwert wie dem Französischen ein: Die politischen Hintergründe dieser Maßnahme
Helga Dickow interpretiert die neue Sprachpolitik des Bildungsministers Mahamat-Ahmat Alhabo.
Innenpolitisch deutet die sofortige Gleichstellung beider Sprachen auf ein bewusstes Bestreben hin, die arabischsprachige wirtschaftliche und politische Elite zu fördern. Dies geht zu Lasten der frankophonen Bevölkerung, aus deren Reihen der Großteil der politischen Opposition stammt.
Dies spiegelt zudem eine anhaltende Abkehr von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich wider und ist ein Versuch des derzeitigen Regimes unter Mahamat Déby, engere Beziehungen zur arabischen Welt, insbesondere zu den Vereinigten Arabischen Emiraten, zu knüpfen.
Keine der beiden Sprachen ist Muttersprache für eine Mehrheit der Menschen im Tschad und sie stehen für verschiedene Epochen der Fremdherrschaft. Hinzu kommt, dass zwischen dem Standardarabischen als Bildungssprache und dem tschadischen Arabisch als gesprochene Sprache unterschieden werden muss.
Tschadisches Arabisch und Französisch dienen heute landesweit als zwei Verkehrssprachen, insbesondere in den städtischen Zentren. Sie stehen jedoch weiterhin für unterschiedliche Herkunft und Religionen: Muslime aus dem Norden und Christen aus dem Süden.
Hinzu kommen politische Machtverhältnisse: Ein Teil der arabischsprachigen muslimischen Elite ist seit mehr als 40 Jahren an der Macht. Kurz gesagt: Die Sprachpolitik des tschadischen Regimes ist nicht ohne Risiko. Einen Großteil der Bevölkerung von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft auszuschließen, könnte zu Konflikten führen, die sich nicht friedlich lösen lassen.
Der Text ist auf Englisch und auf Französisch bei The Conversation zu lesen.