Das PolMig-Team hat seinen ersten gemeinsamen Beitrag in der Online-Enzyklopädie „Rewriting Peace and Conflict“ des Postcolonial Hierarchies Netzwerks veröffentlicht. Darin stellen Franzisca Zanker, Jamila Hamidu, Edwin Mutyenyoka und Sophia Stille einen afrotheoretischen Ansatz als konzeptionellen und methodologischen Rahmen vor, um Migration, Handlungsfähigkeit und politisches Leben in Afrika neu zu denken.
Vor dem Hintergrund verstärkter Grenzsicherung, antimigrantischer Sentiments und zunehmend restriktiver Gesetzgebung argumentiert das PolMig-Team, dass etablierte Theorien aus der Migrationsforschung weiterhin überwiegend westlich geprägt sind. Dadurch entsteht das Problem, dass sie koloniale Kontinuitäten, rassistisch geprägte Mobilitätshierarchien und die Politisierung von Staatsbürgerschaft, Identität und Zugehörigkeit nicht adäquat erfassen können. Demgegenüber stellt das PolMig-Team afrikanische Perspektiven und dekoloniale Ansätze in den Mittelpunkt und zeigt, dass aus diesen Perspektiven Migration ein zentraler sozialer Prozess ist und kein Problem.
Die Autor*innen werfen Fragen auf wie: Sollten Theoriebildung und Migrationspolitik afrozentrisch gedacht werden, bzw. weniger eurozentrisch? Ist das überhaupt möglich? Und wie wirkt sich Pan-Afrikanismus als antikoloniale und afro-solidarische Ideologie auf Migrationsregime im postkolonialen Afrika aus?
Die gesamte Argumentation ist im Beitrag auf der Webseite der Online-Enzyklopädie „Rewriting Peace and Conflict“ auf Englisch zu lesen.
Als PDF zum Download hier verfügbar:
Zur Online-Enzyklopädie
Die Online-Enzyklopädie „Rewriting Peace and Conflict“ ist ein Produkt des Forschungsnetzwerks „Postcolonial Hierarchies in Peace and Conflict Studies“. Sie ist eine multimediale und frei zugängliche Plattform mit Beiträgen über Frieden und Konflikt aus postkolonialen und dekolonialen Perspektiven. Die Enzyklopädie bietet eine interdisziplinäre Sammlung von zentralen theoretischen und konzeptuellen Debatten, empirischen Analysen und Reflektionen der Wissensproduktion. Sie bringt verschiedene Stimmen zusammen, darunter Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Hintergründen und Regionen, Menschen aus der Praxis und Aktivist*innen. Sie kombiniert Text, Audio, Video und Storytelling in verschiedenen Formaten. Das Ziel ist ein Wissensdialog.
Zu PolMig
Das PolMig-Projekt (The Political Lives of Migrants: Perspectives from Africa) konzentriert sich auf Afrika und untersucht, wie Migrant*innen politische Handlungsfähigkeit definieren, die durch Politisierungsprozesse von Zugehörigkeit in postkolonialen staatlichen Kontexten ermöglicht oder behindert wird. Dabei arbeitet das PolMig-Team mit Forschungspartner*innen in Malawi, Kenia, Liberia und Ghana zusammen. Dabei stehen sie in enger Verbindung mit einem Beirat von Migrationsexpert*innen aus Wissenschaft und Praxis.