"Keine weiteren Staatsverbrechen" fordert dieses Graffiti in Bogotá, 2009.
| © Alke Jenss, ABIAb 2026 wird Alke Jenss gemeinsam mit Dr. Philipp Wolfesberger (Universität Bielefeld), Prof. Dr. Oswaldo Zavala (City University of New York, CUNY) & Dr. Estefanía Ciro (Centro de Pensamiento de la Amazonia Colombiana AlaOrillaDelRío) das Netzwerk "Dimensions of Regulation: Conceptualizing the Popular in the Drugs/Violence Nexus" koordinieren.
Das vom Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) an der Universität Bielefeld finanzierte Projekt vernetzt international anerkannte Wissenschaftler*innen, die zum Themenfeld Drogen und Gewalt in den Amerikas arbeiten. Durch das Netzwerk wird Forschung zu Narrativen, Governance, politischer Ökonomie, Maskulinität und Infrastruktur zusammengebracht. Für den persönlichen Austausch veranstaltet das Netzwerk einmal jährlich (2006-2008) Treffen in Bielefeld, für jeweils mehrere Tage.
Details zum Projekt:
In den letzten Jahren zeichnete sich ein Wandel des globalen Drogenverbotsregimes ab, dennoch sind Militarisierung, Gewalt und Stigmatisierung in vielen Regionen des amerikanischen Kontinents weiterhin stark ausgeprägt. Eine legalistische Sichtweise auf psychoaktive Substanzen hat die Analyse der Märkte und der Gewalt durch die Anwendung moralischer Vorstellungen auf die Kategorien richtig und falsch reduziert. Männer, die mit Drogen handeln, sind schlecht, Menschen, die sie konsumieren, sind ebenfalls schlecht. Und: mit der richtigen Politik lässt sich der Drogenhandel unterbinden, so die Vorstellung.
Drei Annahmen sind dabei besonders einflussreich:
- erstens, illegale Wirtschaftszweige florieren dort, wo der Staat abwesend ist;
- zweitens, sie sind von Natur aus gewalttätig;
- drittens, Gesellschaft kann nicht mit psychoaktiven Substanzen koexistieren.
Die Lösung besteht demnach darin, „den Staat zurückzuerobern“, die Gesetze zu verschärfen, Kriminelle zu verfolgen und dem Handel und Konsum psychoaktiver Substanzen ein Ende zu setzen. Wir bestreiten nicht, dass diese Märkte Schaden anrichten und unter korrupten Vorzeichen funktionieren, aber es ist unwissenschaftlich, davon auszugehen, dass die oben genannten Annahmen universal gelten.
Daher stellt dieses Forschungsprojekt interdisziplinäre Studien zur Regulierung des Phänomens in den Mittelpunkt. Wir leisten einen Beitrag zum systemischen Überdenken der Problematik illegalisierter Drogen und der damit verbundenen Dynamik in der Bevölkerung. Wir evaluieren anhand einer langfristig angelegten und spiralförmig aufgebauten Methodologie die Dimensionen von Narrativen, Governance, Maskulinität und Infrastruktur. Der interdisziplinäre theoretische und empirische Dialog zwischen dem Globalen Norden und Süden ist für dieses Vorhaben von größter Bedeutung.