Direkt zum Inhalt

Philipp Wagner zum Import erneuerbarer Energie aus Nordafrika

Portrait von Philipp Wagner und Logo von Radio Z

Die Idee, grüne Energie nicht in Deutschland oder Europa selbst zu produzieren, sondern in Wüstenregionen in Nordafrika, gibt es schon seit den 2000er Jahren. ABI-Mitarbeiter Philipp Wagner zeigt bei Radio Z am Beispiel Tunesiens, was an diesem Konzept problematisch ist.
 

Die Vorstellung, dass Wüsten „leere“ Räume seien und sich daher besonders gut für großflächige Infrastrukturprojekte wie Solaranlagen eignen, ist weit verbreitet – vor allem auch unter internationalen Investor*innen. Dieses Narrativ hat historische Wurzeln und wurde bereits zu Zeiten des europäischen Kolonalismus genutzt. Dabei wird häufig übersehen, dass Wüstenregionen keineswegs ungenutzt sind. Sie werden beispielsweise von nomadischen Gemeinschaften bewohnt oder genutzt, oft auf der Grundlage umstrittener Landnutzungsrechte. Da diese Rechte häufig nicht klar dokumentiert sind, entstehen immer wieder zu Konflikte zwischen den Interessen der lokalen Bevölkerung und Investor*innen.

Die Förderung der Solarenergie und der Produktion von grünem Wasserstoff in Nordafrika bringt darüber hinaus Fragen nach der globalen Klimagerechtigkeit auf. Gerade in Tunesien zeigt sich, dass die Energiewende in einem komplexen politischen und sozialen Kontext stattfindet. Grüner Extraktivismus ist bei tunesischen Aktivist*innen mittlerweile ein gängiger Begriff und beschreibt den Umstand, dass eneuerbare Energien in Nordafrika zwar produziert werden, lokal jedoch kaum verwendet, sondern exportiert werden. Investitionen kommen so vor allem wirtschaftlichen Eliten zugute, die breite Bevölkerung profitiert jedoch kaum. Die lokale Verwendung stellt dabei in Bezug zu wirtschaftlicher Gerechtigkeit eines der wichtigsten Themen dar: Gerade in einem Land mit hoher Arbeitslosigkeit wie Tunesien könnte der Ausbau der erneuerbaren Energien auch Chancen für wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigung bieten.

Wagner plädiert dafür, nicht nur technisch-ökonomische Dimensionen zu betrachten, sondern auch den Fokus auf politische und soziale Dimensionen zu lenken. Die Perspektiven lokal betroffener Menschen und Gruppen sollten dabei zentral sein.

Die Radiosendung ist auf der Webseite von Radio Z verfügbar.

Newstyp:
Medienbeiträge