Tim Glawion teilt im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen seine Expertise zur Festnahme und Verurteilung des belgisch-portugiesischen Wissenschaftlers Joseph Figueira Martin in der Zentralafrikanischen Republik.
Martin war 2023 in der Zentralafrikanischen Republik von Söldnern der russischen Wagner-Gruppe festgenommen worden, als er vor Ort ein Entwicklungsprojekt einer amerikanischen Hilfsorganisation evaluierte. Nun ist er zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Glawion beschreibt, dass man in früheren Jahren als unabhängige Forschende auch in Konfliktregionen weitgehend sicher der eigenen Arbeit nachgehen konnte - dies sei nun jedoch als Folge des Ukrainekriegs und von anderen geopolitischen Konflikten vielerorts nicht mehr der Fall.
Seiner Meinung nach ist Martin vielmehr Spielball höherer Interessen geworden: „Gerade unter dem Einfluss der Wagner-Gruppe geht es um Machtgebaren und um ein Signal, dass Europa keinen Einfluss mehr hat und die Europäer oder Amerikaner dort nichts mehr zu suchen haben." Außerdem plädiert er dafür, die internationale Entwicklungszusammenarbeit in der ZAR abgesehen von Nothilfen auszusetzen. Wenn Wissenschaftler*innen und Helfer*innen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, sei die Evaluierung von Hilfsprojekten nicht mehr möglich – und der Nutzen für die lokale Bevölkerung nur noch minimal. Deutschland zählt zu den wichtigsten Geberländern: Von 2021 bis 2025 hat es dem Land rund 143,5 Millionen Euro für humanitäre Hilfsmaßnahmen zur Verfügung gestellt.
Glawion hat außerdem eine Petition für die sofortige Freilassung Martins gestartet. Der Artikel ist auf der Webseite der Frankfurter Allgemeinen (mit Paywall) sowie in der Printausgabe vom 18.11.2025 verfügbar.