Das Team von „Postcolonial Hierarchies" am ABI, von links: Fabricio Rodríguez, Alke Jenss, Miriam Bartelmann und Viviana García Pinzón.
Das Kompetenznetzwerk „Postcolonial Hierarchies in Peace and Conflict Studies“ wurde vom BMFTR um zwei Jahre verlängert, beginnend am 1. April 2026.
Das Netzwerk „Postcolonial Hierarchies in Peace and Conflict“ ist ein Kooperationsprojekt des Arnold-Bergstraesser-Instituts in Freiburg, des Zentrums für Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg, der Universität Bayreuth und der Universität Erfurt. Es untersucht, wie historisch gewachsene postkoloniale Machtstrukturen aktuelle Konflikte prägen und eine nachhaltige Konflikttransformation beeinflussen. Das Netzwerk setzt sich kritisch mit Friedens- und Konfliktpraktiken, dem Transfer von Paradigmen und der Wissensproduktion in diesem Bereich auseinander. Als Antwort auf eine Ausschreibung des damaligen BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung, heute Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)) leistet es einen Beitrag zu Debatten über globalen Frieden und Sicherheit, analysiert internationale Friedenskonstruktionen, stärkt die Friedens- und Konfliktforschung und bietet eine sichtbare Ressource für Wissenschaftler*innen weltweit.
In der Förderphase 2026–28 wird das Netzwerk über die Ziele der ersten Förderphase hinausgehen. Es wird die interdisziplinäre Forschung vorantreiben, Partnerschaften – insbesondere mit Kolleg*innen aus dem Globalen Süden – festigen und Strukturen wie die Online-Enzyklopädie „Rewriting Peace and Conflict“ weiterentwickeln. Hier hat das Netzwerk unter anderem bereits Policy Papers veröffentlicht, z. B. zu menschlichen Überresten in Universitätssammlungen. Wissenschaftskommunikation, Transferveranstaltungen und die Vorbereitungen für ein Folgeprojekt werden die Arbeit des Netzwerks über das Jahr 2028 hinaus sichern.
Seit dem Start des Netzwerks im Jahr 2022 haben sich die globalen Dynamiken erheblich verändert, und aktuelle Konflikte haben die Ablehnung „liberaler” Konzepte verstärkt. Gleichzeitig unterstreichen die zunehmende politische Polarisierung, Extremismus, Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus die dringende Notwendigkeit von Forschung zu postkolonialen Hierarchien. Als Reaktion darauf wird das Netzwerk seinen Fokus auf globale Verflechtungen verstärken und untersuchen, wie koloniale Vermächtnisse weiterhin politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen prägen und wie sich diese Hierarchien im Alltag manifestieren – durch rassistische und geschlechtsspezifische Vorurteile, Sicherheitspolitik, Praktiken des Peacebuilding und Darstellung in den Medien. In der zweiten Förderphase wird das Netzwerk zudem seine Beschäftigung mit politischer Ökonomie ausweiten, um besser zu verstehen, wie postkoloniale Wirtschaftsstrukturen Konflikte aufrechterhalten.
Das Netzwerk arbeitet eng mit Wissenschaftler*innen weltweit zusammen – ihre Ergebnisse und Wissenschaftskommunikation sind in der Online-Enzyklopädie sowie auf dem YouTube-Kanal des Projekts verfügbar. Dort veröffentlicht das Netzwerk regelmäßig öffentliche Vorträge, Rundtischgespräche, Podiumsdiskussionen und seine Interviewreihe „In Dialogue“. Darüber hinaus hat das Netzwerk den Podcast „Confronting Hierarchies – A Podcast on (De)Coloniality, Peace & Conflict“ produziert, der auf der Website der Online-Enzyklopädie sowie auf Spotify und Apple Podcast zu hören ist.
Anfang des Jahres hat das Hierarchies-Team am ABI die Auszeichnung "Bestes Forschungsumfeld 2024" der Jungen Akademie und der VolkswagenStiftung erhalten. Das ABI freut sich auf die nächsten Jahre zusammen!