Verleihung des Arnold-Bergstraesser-Preises 2018

Für ihre Arbeit „Der Konflikt um die Windenergieanlagen im Istmo de Tehuantepec, Mexiko. Gesellschaftliche Naturverhältnisse, Ungleichheiten, Partizipation und Diskurse“ erhält sie den Arnold-Bergstraesser-Preis. Rosa Lehmann promovierte bei Prof. Reinhard Kößler.

Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses vergibt die Universität Freiburg zusammen mit dem Arnold-Bergstraesser-Institut den Arnold-Bergstraesser-Preis. Der Preis wird für eine herausragende sozialwissenschaftliche Dissertation vergeben, die sich in der Tradition Arnold Bergstraessers mit politischem und gesellschaftlichem Wandel in Ländern des globalen Südens auseinandersetzt.

Über die Arbeit:

In Südmexiko ist die Produktion von Windenergie äußerst konflikthaft. In der Region Tehuantepec produzieren vor allem europäische Energiefirmen Strom und verkaufen ihn an privatwirtschaftliche Unternehmen als direkte Endkonsumenten oder speisen ihn ins mexikanische Stromnetz ein. In dieser Aneignung von Natur spiegeln sich Herrschaftsverhältnisse und Ungleichheiten wider, sie ist also gesellschaftlich vermittelt. Auf Basis von qualitativen Interviews, teilnehmender Beobachtung, Dokumentenanalyse, der Auswertung existierender quantitativer Daten sowie wissenschaftlicher Studien kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass der Prozess rund um Planung und Bau von mittlerweile 24 Windparks undemokratisch verlief. Gründe hierfür sind multiple Landnutzungsansprüche, ein regulativer Rahmen, der Großprojekte bevorzugt, fehlende Bestimmungen und Informationen hinsichtlich der Umsetzung der Windenergieprojekte auf lokaler Ebene sowie autoritäre politische Machtstrukturen. Diese Faktoren verunmöglichen bislang auch, dass eine indigene Konsultation adäquat durchgeführt und Pläne für einen Gemeindewindpark umgesetzt werden konnten. Der Diskurs um Windenergie als Beitrag zu ‚Klimaschutz‘ und ‚Entwicklung‘ erschwert Kritik an intransparenten Entscheidungsprozessen und ungleich verteiltem Nutzen der Windkraftanlagen zusätzlich. Die Arbeit zeigt, dass sozialwissenschaftliche, kontextsensible Forschung unabdingbar ist für eine gesellschaftlich zukunftsweisende Transformation des Energiesystems auch in Ländern des so genannten globalen Südens.

Foto: Patrick Seeger