Precarity and Precarization of Labour Markets in Europe and Latin America

Die Begriffe „Prekarität“ und „Prekarisierung“ werden im deutschen Kontext normalerweise verwendet, um die tiefen Veränderungen der Arbeitsmärkte seit den 1980er bzw. 1990er Jahren zu charakterisieren, die zum Anwachsen sog. „untypischer“ Beschäftigungsverhältnisse wie befristeter Verträge, Teilzeit- und Nebenverträgen führten. Derzeit wird kontrovers diskutiert, ob sich Konzepte wie „Prekarität“ und „Prekarisierung“ auf Regionen des globalen Südens übertragen lassen, da sie sich an männlichen (und weißen) Normalbiographien orientieren würden und somit die schon lange vorhandenen Ausbeutungs- und Arbeitsverhältnisse von Frauen, MigrantInnen sowie jüngeren und älteren ArbeitnehmerInnen ausgeblendet hätten. Gerade in Lateinamerika war Heterogenität schon immer ein Strukturmerkmal der Arbeitsmärkte und informelle Beschäftigungsverhältnisse weit verbreitet. In jüngster Zeit kam es zu ambivalenten Prozessen, die einerseits politische Maßnahmen zur Eindämmung der Prekarität beinhalten, gleichzeitig jedoch von einer zunehmenden Prekarisierung in einigen Sektoren betroffen sind. Das Forschungsvorhaben zielt darauf, den Dialog zwischen der deutschen und der lateinamerikanischen Arbeitsmarktforschung zu fördern, zentrale Begriffe zu klären und eine kritische Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Veränderungen auf den Arbeitsmärkten zu liefern, wobei insbesondere der wachsenden Verflechtung und Transnationalisierung von Arbeitsmärkten Rechnung getragen wird. Auf einem Workshop in Berlin wurden Befunde aus Deutschland und Brasilien diskutiert.  2014 wurde ein Sonderheft des Journals für Entwicklungspolitik aus Beiträgen eines Workshops veröffentlicht. Weitere Workshops und Publikationen sind geplant.

Fördernde Institution: BMBF-Projekt „DesiguALdades.net“ der FU Berlin                                                      

ProjektbearbeiterInnen: 
Externe ProjektbearbeiterInnen: 
Sproll, Dr. Martina, FU Berlin
Dauer: 
2015