VAD-Tagung 2022 „Afrika-Europa: Reziproke Perspektiven“ - Call for Panels

7. Juni 2022 bis 10. Juni 2022

Call for panels – VAD 2022
Afrika-Europa: Reziproke Perspektiven
Albert-Ludwig-Universität Freiburg im Breisgau, 7.-10.6.2022

Die VAD-Konferenz 2022 in Freiburg thematisiert unter dem Oberthema „Afrika und Europa: reziproke Perspektiven“  Prozesse der Koproduktion von Wissen sowie der gegenseitigen Infragestellung unterschiedlicher Denkweisen. Dabei werden politische und epistemologische Verschränkungen offengelegt und auch ungewöhnliche Blickwinkel eröffnet. Dies soll neue Formen der Zusammenarbeit erschließen und die bestehenden weiterentwickeln. Erfahrungen mit partnerschaftlicher Forschung und ihren  Herausforderungen  sollen  dabei  zu  Analysen  führen,  in  denen  auch  Fragen  fortbestehender Exklusion  und  mangelnder  Repräsentativität  von  Lehre  und  Forschung  sowohl  in  den  auf  Afrika bezogenen Studien als auch in den „European Studies“ berücksichtigt werden.

Wir erbitten Panelvorschläge zu einem der elf Themenbereiche (bitte bei Einreichung angeben):

Afrikanische Forscher*innen im europäischen Wissenschaftssystem
Asymmetrien der Wissensproduktion lassen  sich nur nachhaltig verändern, wenn  Forschung auf allen Seiten  über  lokale  Spezialisierungen  hinausgeht.  Wie  können  gemeinsame  Perspektiven  entwickelt werden,  aus  denen  die  globale  Wissensproduktion  neu  konfiguriert  wird?  In  einem  von  Europa/USA
geprägten Förderungssystem ist z.B. die Finanzierung der Forschungen afrikanischer Wissenschaftler*innen selten möglich - wie können daher Forschungen afrikanischer Wissenschaftler*innen zu Europa oder zur globalen Welt  gefördert werden? Wie kann die Förderung deutlich vielfältigerer Perspektiven auch finanziell verstärkt werden?

Restitution!
Die Forderung nach Restitution sowohl von afrikanischen Kulturgütern als auch sterblichen Überresten von  Menschen,  die kolonial  angeeignet  wurden,  hat erhebliche  Fahrt  aufgenommen  und weckt  neue Forschungsinteressen, z.B. zur Politik der Rückgabe, einer langen Geschichte der Restitutionsforderungen und  zu  neuen Praktiken des Ausstellens, Sammelns und „Entsammelns“. Wo steht die Debatte derzeit? Sprachliche und visuelle (De-)Kolonialismen Anhaltende  Diskussionen  um  Alltagsrassismen  in  heutigen  Gesellschaften  mit  Kolonialvergangenheit und  /  oder  diversen  Erfahrungen  der  Versklavung  füllen  die  Feuilletons  und  haben  zu  einer  reichen Produktion von Filmen und literarischen Produkten geführt, die wiederum Teil der gesellschaftspolitischen Debatten sind. Wie lassen sich diese Produkte, wie auch die Diskussionsstränge aufeinander beziehen und beschreiben?  

Entwicklung kolonialer Sprachen in der „New African Diaspora” – Deutschland im Vergleich
Während es zu USA, Kanada, Großbritannien und Frankreich eine umfangreiche Forschungsliteratur zu Sprachentwicklungen der afrikanischen Diaspora gibt, stehen einschlägige Untersuchungen in Deutschland  noch  am  Anfang,  obwohl  die  Anzahl  von  Afrikaner*innen  in  Deutschland  seit  einem Jahrzehnt stark gewachsen ist. Welche Rückschlüsse auf soziale Praktiken lassen sich ziehen?

Flucht und Migration – aus der Perspektive der Praxis und Handlungsmacht Geflohener  
Welche  Handlungsmacht  haben  Migrant*innen  und  Geflohene  –  auf  ihrem  Weg  nach  Europa  und einmal dort angekommen? Wie bewerten sie Flüchtlingsregime in der EU und den einzelnen Mitgliedsstaaten? 

„Françafrique“ – Sonderfall, mehrdimensional, wechselseitig?
Mit dem gewaltsamen Tod von Idriss Déby im April 2021 geriet französische Afrikapolitik einmal mehr in mediales Scheinwerferlicht: Die gegenseitigen Abhängigkeiten mehr als 60 Jahre nach der Unabhängigkeit sind komplex – aber nicht nur im Feld  der Außen- und Sicherheitspolitik. Die  Vielzahl afrikanischer Kulturschaffender oder politisch aktiver Diasporagruppen sowie Gerichtsverfahren gegen Söhne afrikanischer Präsidenten lassen Frankreich als „Ausnahmefall“ mit  hoher “Verstrickung“ mit Afrika erscheinen. Doch gilt dies tatsächlich? Wie lassen sich die französischen Verflechtungen mit dem Kontinent beschreiben und einordnen?

Afrikastudien jenseits der Geistes- und Sozialwissenschaften
Die Essentialisierung Afrikas und anderer „Areas“ ist ein „orientalistisches Erbe“, das selten den Natur- oder Ingenieurswissenschaften zugeschrieben wird. Kann die Erweiterung des Fächerkanons eingefahrene  Sichtweisen  überwinden?  Sind  Austauschbeziehungen  zwischen  den  Kontinenten  in diesen  Fächern  weniger  asymmetrisch  gestrickt  oder  vielleicht  umgekehrt  zu  wenig  problembewusst gestaltet im Hinblick auf ihre koloniale Vergangenheit?

Wissen im Umgang mit dem Klimawandel: afrikanische Ansätze
Praxisorientierte Vorschläge der wachsenden Klimaforschung in Europa und Nordamerika stehen oft in einer Tradition der Aufklärung  und dem Vertrauen auf Technologien – von Planungsinstrumenten bis zur Entscheidungsfindung und Implementierung. Gegen diese eurozentrierte Routine regt sich Widerstand  im  Globalen  Süden,  nämlich  mit  Verweis  auf  alternatives  Wissen  und  Praktiken  -    was können beide Seiten voneinander lernen?

Bilder von lebenden und toten Menschen
Der  europäische  Blick  auf  afrikanische  Menschen,  festgehalten  in  Bild-  oder  Filmdokumenten  und  in Sammlungen löst heute vor allem ethische Diskussionen aus. Wissenschaftsgeschichtlich ist ein Vergleich dominanter, extremer, marginaler, widerständiger etc. Blickwinkel von wachsendem Interesse. Wie sieht „gute Praxis“ aus – oder muss auch noch konzeptionell weitergedacht werden?

Corona-Krise und neue Weltsichten: Europa als Problem, China als Lösung?
Viele  Teile  Afrikas  hatten  zunächst  niedrige  COVID-19-Inzidenzen,  europäische  Regierungen  fielen  als hilflos oder handlungsunfähig auf. Der Umgang mit Epidemien wie HIV Aids, Malaria oder Ebola, für die es keine (sofortige) Heilung gab oder gibt, ist für afrikanische Staaten keine Besonderheit. Chinesische
Impfstoffe standen schnell bereit, ihre Wirksamkeit wird aber – gerade in Europa – bezweifelt. Inwiefern prägen solche Erfahrungen insbesondere afrikanischer Akteure (in Gesundheitswesen, Politik, Medien) die eigenen Handlungsspielräume, weltpolitische Alternativen, Global Health Governance?  

Schwarze Deutsche und afrikanische Wissenschaftler*innen in der deutschen Hochschulszene
Die Konferenz beschäftigt sich mit Missverhältnissen und unvollständigen Verständnissen in Bezug auf Rassismen in der Afrikawissenschaft. Welche Ausprägungen findet struktureller Rassismus/Alltagsrassismus gerade in seiner Verschränkung mit anderen Formen der Hierarchisierung? Welche Komplikationen entstehen in Beziehungen zwischen Lehrenden, Studierenden und im Austausch beider Gruppen? Wie wird die intellektuelle Produktion von dieser Fokussierung beeinflusst?

 
Konferenzteilnehmer*innen  dürfen  nur  ein  Panel  organisieren,  können  aber  zusätzlich  auch  einen Vortrag halten und/oder in einem anderen Panel als Diskutant auftreten. Ein Panel darf nicht länger als zwei  Sitzungen  à  90  Minuten  dauern.  Aus  organisatorischen  Gründen  müssen  die  Organisator*innen
eines Panels über eine gesicherte Finanzierung für ihre eigene Konferenzteilnahme verfügen.  
Die Panelvorschläge müssen Folgendes enthalten:

  • einen Titel für das Panel
  • Name, institutionelle Zugehörigkeit und E-Mail-Adressen des oder der Convenors des Panels
  • eine kurze Zusammenfassung von höchstens 300 Zeichen
  • eine lange Zusammenfassung von höchstens 300 Wörtern
  • bitte geben Sie bei der Einreichung an, welches der elf Themen Ihr Panel adressiert 

Bitte  beachten  Sie:  Wir  hoffen,  dass  wir  die  kommende  Konferenz  als  Präsenzveranstaltung  mit virtuellen Elementen organisieren können. Wir werden jedoch die Corona-Situation weiter beobachten und müssen die Konferenz möglicherweise auf ein hybrides oder virtuelles Format umstellen. Bleiben Sie gesund und herzliche Grüße aus Freiburg!

Panelvorschläge können hier eingereicht werden:
https://nomadit.co.uk/conference/vad2022/panel-form
 
Deadline: 15.10.2021