Das Arnold-Bergstraesser-Institut und das International Quarterly for Asian Studies laden interessierte Wissenschaftler*innen und Studierende herzlich zu folgender öffentlicher Veranstaltung ein:
Unmasking the Politics of Identity in the July Uprising in Bangladesh
von Samina Luthfa, Professorin für Soziologie, Universität von Dhaka, Bangladesch
Abstract
Die Juli-Aufstände in Bangladesch begannen 2024 als Studierendenprotest. Ihr Anliegen war die Reform des Quotensystems für staatliche Arbeitsstellen. Die Proteste weiteten sich aus und gipfelten am 5. August (36. Juli) nach wochenlangen Gräueltaten durch die bewaffneten und zivilen Streitkräfte Bangladeschs sowie durch Schläger der Awami-Liga im Sturz der Premierministerin Sheikh Hasina.
Während des Aufstands gab es zahlreiche kulturelle Aktivitäten, die ein öffentliches Bekenntnis der Demonstrierenden zu Gleichheit, Gerechtigkeit und Antidiskriminierung darstellten. Diese Vorgehensweise der Demonstrierenden standen im Kontrast zur brutalen Unterdrückung, den Massenmorden und den Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch Hasinas Regime. Am Ende eskalierte die Bewegung in einem Maße, dass Menschen aus allen Gesellschaftsschichten dazu inspiriert und auch gezwungen waren, sich der Bewegung anzuschließen. Der Aufstand war unkontrollierbar und massiv, er zwang Hasina, zusammen mit den meisten ihrer wichtigen Lakaien nach Indien zu fliehen. Millionen ihrer Anhänger*innen blieben im Land zurück, ohne vor dem Zorn der Demonstrant*innen sicher zu sein.
Während dieses Aufstands hatte das Framing der Bewegung eine diskursive Dimension, die sich mit jeder sich ändernden Situation mit großer Prägnanz und Kühnheit veränderte. Anhand von Theorien zur dialogischen Rahmung sozialer Bewegungen zeichne ich die Veränderungen der Identitätspolitik nach, die die Antidiskriminierungsbewegung in der virtuellen Öffentlichkeit während und nach dem Aufstand zum Ausdruck brachte.
Ich verwende Archivmaterial, sowohl gedruckte als auch Online-Karikaturen und Memes, um die kulturelle Arbeit zu untersuchen, die während des Juli-Aufstands geleistet wurde. Durch diese Untersuchung zeige ich, wie dieselbe Diskursivität die Menschen während der Bewegung vereinte und sie nach dem Erfolg des Aufstandes spaltete. Ich zeige auch, wie die Konnotation von Inklusivität und Antidiskriminierung zu einer Floskel wurde, die die neue Form der Herrschaft in Bangladesch nach dem Aufstand rechtfertigt, unter dem Vorwand der Rache an den Unterstützer*innen des Faschismus/des alten Regimes.
Biografie
Dr. Luthfa ist eine aktivistische Forscherin, die sich für die Untersuchung von Bewegungen für Umweltgerechtigkeit, politische Ökologie, Gender und Medien interessiert. Sie setzt qualitative und gemischte Forschungsmethoden ein, wobei ihr geografischer Schwerpunkt auf Südasien liegt. Derzeit arbeitet sie unter anderem zu Arbeitsrechten in der Bekleidungsindustrie, zur feministischen Analyse der Stimmen von Theaterschauspieler*innen und Mandi-Bauern, zur Populärkultur und den Vorlieben der Jugend in der Musik.
Im Rahmen ihres Promotionsstudiums an der University of Oxford untersuchte sie die lokale, nationale und transnationale Mobilisierung gegen einen geplanten Kohletagebau im Norden Bangladeschs. Sie arbeitet zu sozialen Bewegungen und der Gefährdung des Lebensunterhalts von Arbeiterinnen im RMG-Sektor in Bangladesch. Derzeit arbeitet sie an der Universität von Dhaka als Professorin für Soziologie. Vor ihrer Tätigkeit an der Universität Dhaka lehrte sie Soziologie an der Landwirtschaftlichen Universität Bangladesch und der Unabhängigen Universität Bangladesch. Sie arbeitete als Athena Swan Gender Researcher an der University of Oxford.
Diese öffentliche Vorlesung ist der Auftakt eines Autorenworkshops mit dem Titel „Vom Campus zur Konfrontation: Jugendbewegungen gegen Autoritarismus".
Bitte beachten Sie: Die Vorlesung findet um 9:30 Uhr morgens statt.