Postcolonial Hierarchies in Peace & Conflict

Projektseite: www.postcolonial-hierarchies.net

Das Netzwerk "Postcolonial Hierarchies in Peace & Conflict" ist ein Verbundprojekt der Philipps-Universität Marburg, der Universität Bayreuth, der Universität Erfurt und des Arnold-Bergstraesser-Instituts.

Machtasymmetrien und daraus resultierende Gewaltkonflikte sind ein klassisches Thema der Friedens- und Konfliktforschung. In jüngster Zeit hat die wichtige Arbeit internationaler Forschender (etwa Barkawi 2016; Sabaratnam 2013; Brunner 2018) postkoloniale Hierarchien in den Mittelpunkt der Forschung gerückt. Damit sind nicht nur die gewaltvollen Auswirkungen des Kolonialismus gemeint, die bis in die Gegenwart reichen, sondern gerade gesellschaftliche Hierarchien, die sich in der postkolonialen Zeit ausgebildet haben.

Dieses Debattenfeld stellt die Friedens- und Konfliktforschung vor zahlreiche Herausforderungen. Das Netzwerk untersucht, wie sich historisch geronnene postkoloniale Hierarchien in zeitgenössischen Konfliktdynamiken niederschlagen und welche Implikationen sich daraus für eine zukünftige nachhaltige Konflikttransformation ergeben.

Die Beteiligten prüfen auch die Konzepte und Praktiken der Friedens- und Konfliktforschung, da diese – der post- und dekolonialen Kritik zufolge – koloniale Hierarchien reproduzieren. Zudem stoßen postkoloniale Ansätze eine überfällige kritische Reflexion von Verwertungs-, Transfer- und Anwendungsmöglichkeiten an. So wird der Verbund friedens- und sicherheitspolitische Entscheidungsprozesse informieren, sich an öffentlichen Debatten beteiligen und zur Überwindung von Asymmetrien in der Wissensproduktion zu Gewaltkonflikten beitragen. Dies leistet das Netzwerk u.a. durch ein vielfältiges Transferprogramm.

In drei thematischen Arbeitspaketen analysieren die Verbundpartner die Auswirkungen postkolonialer Hierarchien:

  • in lokalen Gewaltdynamiken,
  • für erfolgreiche Sicherheitsgovernance und Friedenskonsolidierung,
  • sowie für die Überwindung von Konflikten durch Politiken transformativer Gerechtigkeit.

Die vier Standorte verfügen jeweils über eine breite Expertise zu den Forschungsthemen. Durch die Zusammenarbeit in einem überregionalen Kompetenznetzwerk werden die Forschungsschwerpunkte gebündelt und weiterentwickelt.

Ein wichtiger Teil des Kompetenznetzwerks ist die internationale Vernetzung insbesondere mit Gastwissenschaftler*innen aus dem Globalen Süden. Es kann sich dabei auch auf die assoziierten international ausgerichteten Verbünde an den beteiligten Einrichtungen stützen, wie das Exzellenzcluster "Africa Multiple" und die Konsortien der Sibylla-Merian-Zentren in Tunis, Accra und Delhi. Das Netzwerk präsentiert seine Forschung nicht nur auf Workshops und Konferenzen, sondern diskutiert diese auch mit wichtigen Dialogpartnern in Politik, friedensbezogener Entwicklungszusammenarbeit und Zivilgesellschaft.

Ein Schwerpunkt der Arbeit des ABI liegt auf der Wissenschaftskommunikation. Integraler Bestandteil des Verbundes ist deshalb eine Virtual Encyclopedia, die zentrale Forschungsergebnisse, methodische Weiterentwicklungen und theoretische Innovationen des Netzwerks und der Partner*innen im Globalen Süden in einem weltweit frei zugänglichen Format präsentiert. Texte, Video- und Audiobeiträge machen die Arbeit sichtbar und zugänglich.

Gefördert vom

 

Projektberabeiter*innen

Prof. Dr. Andreas Mehler

Prof. Dr. Manuela Boatcă (Soziologie, Universität Freiburg)

Dr. Alke Jenss

Dr. Franzisca Zanker

Dr. Fabricio Rodríguez

Viviana García Pinzón (M.A.)

 

Dauer: 
2022 - 2026
Forschungsbereich: