Forschung | Flucht und Migration

Migration und Vertreibung zählen aus sozialer, politischer und ökonomischer Perspektive zu den großen offenen Fragen unserer Zeit. Neue Zahlen des UNHCR zeigen, dass derzeit über 68 Millionen Menschen auf der Flucht sind vor kriegerischen Konflikten, politischer Unterdrückung, kolonialer Besatzung und Umweltkatastrophen, viele davon verursacht durch den Klimawandel. Entgegen der verbreiteten eurozentrischen Rhetorik wird die Mehrzahl der Vertriebenen zu Binnenflüchtlingen im eigenen Land und verlässt nie den globalen Süden. Während Statistiken diese Formen von Migration als erzwungen einordnen, stellen Forscher zunehmend die kategorische Unterscheidung zwischen erzwungener und freiwilliger Migration in Frage. Vermehrt wird anerkannt, dass viele der mehr als  250 Millionen Menschen, welche außerhalb ihrer Geburtsländer leben, die Entscheidung zu Migration auf der Basis vielfältiger verschränkter Motive treffen. Sie werden dabei beeinflusst von Faktoren wie  lokalen, nationalen, regionalen und internationalen Zusammenhängen, Institutionen, sozialen Netzwerken und technologischen Möglichkeiten.

Dementsprechend behandelt das Forschungscluster des ABI Migration als ein Phänomen mit  vielfältigen Ausprägungen. Gleichzeitig werden Labels wie „erzwungen“, „freiwillig“, „regulär“ oder „irregulär“ hinterfragt. So soll beispielsweise festgestellt werden, wie freiwillig Entscheidungen zur Migration aus, innerhalb oder zurück in ein Herkunftsland wirklich sind. Ziel ist es, ein Verständnis der verschiedenen Formen, Motive und Konsequenzen von Migration zu entwickeln, Migration im angemessenen Kontext zu betrachten und die Rolle von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren einzuordnen.         

Ein zentraler Gegenstand unserer Forschung ist dabei die Analyse von (erzwungener) Migration auf verschiedenen Abstraktionsebenen. Auf der Makroebene studieren Wissenschaftler am ABI die Migrationspolitik von Ländern die Ziel von „Flüchtlingen“ und „Arbeitsmigranten“ sind und untersuchen die Rolle internationaler, staatlicher und nicht-staatlicher Akteure. Auf Mesoebene steht die Verbindung zwischen Vertreibung, Migration und Konflikt im Mittelpunkt des Interesses. Auf der Mikroebene beschäftigt sich der Cluster mit den Motivationen und Perspektiven von Menschen während ihrer Flucht und Migration, inklusive ihren Aktivismus und Mobilitätsmöglichkeiten.

 

Projekte

MIASA IFG: Die Rolle nichtstaatlicher Akteure in der Governance transnationaler und regionaler Migration

The Political Economy of West African Migration Governance – Die Politische Ökonomie der Westafrikanischen Migrationsgovernance

Institutionalisation and Agency in Return Migration: Political Concepts and Migrants’ Realities in the case of returning Gambians (Arbeitstitel Dissertation Judith Altrogge)

Climate Change and Urban Political Violence (Arbeitstitel Dissertation Erik Plänitz)

Violence against male refugees – patterns, factors and consequences for individuals and communities (Arbeitstitel Dissertation Cita Wetterich)

 

Veröffentlichungen (Auswahl)

Antje Missbach (2018), Flucht in den Knast, Welt-Sichten, November

Katharina Lenner and Lewis Turner (2018), Making refugees work? The politics of labor market integration for Syrian refugees in Jordan, Middle East Critique, online first.

Stefan Rother (2018) The Global Forum on Migration and Development (GFMD) as a venue of “state socialization”: A stepping stone for multi-layered migration governance? Journal of Ethnic and Migration Studies early view

Cita Wetterich (2018), Gendered security perspectives of the refugee “crisis” in the British and German Media: a securitization of gender?, ABI Working Paper Series No.9. Freiburg.

Franzisca Zanker (2018), The Gambia: a haven for refugees? Forced Migration Review, 57, pp. 74-76.  

 

Medienbeiträge (Auswahl)

Stefan Rother, Die meisten Migranten wollen nicht nach Europa (November 2018) - Frankfurter Rundschau

Stefan Rother, Neue Wege der Entwicklungspolitik (September 2018) - Scobel

Lewis Turner, Demonising Children at US and European Borders (Juli 2018) – Al-Jazeera Online

Judith Altrogge, Rückkehr von Migranten nach Gambia: Die junge Demokratie darf nicht überstrapaziert werden (Oktober 2017) – Flüchtlingsforschungsblog

Franzisca Zanker, Returning migrants to The Gambia: the political, social and economic costs (Oktober 2017) - The Conversation

 

Vorträge (Auswahl)

Der „Migrationspakt“ der Vereinten Nationen: Eine globale Antwort auf eine globale Herausforderung? Urania Berlin, 21. Januar 2019 (Stefan Rother)

The Politics of Recognising Refugee Men’s “Vulnerability” , Ringvorlesung Masterstudiengang “Interkulturalität und Integration”, Pädagogische Hochschule Schwäbish Gmünd, 18. Dezember 2018 (Lewis Turner)

State-sanctioned smuggling of asylum seekers back to Indonesia? Illegality within Australia's border protection and deterrence strategies, Forschungskolloquium Ethnologie, Universität, Luzern, 31. Oktober 2018 (Antje Missbach)

Flüchtlingsströme in Afrika – Ursachen, Folgen und Perspektiven, Ringvorlesung Welt der Konflikte, Universität Mainz, 7. Februar 2018 (Franzisca Zanker)

Vorstellung ABI Bericht "The Politics of Migration Governance in the Gambia", in Kooperation mit der Konrad Adenauer Stiftung Senegal/ Gambia, 29. Januar - 2. Februar 2018 (Judith Altrogge)

 

Cluster Aktivitäten (neuste)

Konferenz des Netzwerks Fluchtforschung, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, 4.-6. Oktober 2018

  • Gendered Security Perspectives of the Refugee „Crisis“ in the British and German Media: A Securitization of Gender (Cita Wetterich)
  • Can Syrian Refugee Men be (recognised as) vulnerable? Humanitarian Determinations of Refugee Vulnerability (Lewis Turner)
  • Stakes of Return to the new Gambia: The „early-bird“ Returnees from Libya (Franzisca Zanker/Judith Altrogge)

Non-Africa’ Refugee Entrepreneurs: The Racialised Management and Marketing of Syrian Refugees; British Society for Middle Eastern Studies (BRISMES) Annual Conference, London, 25-28 Juni 2018

Housing and integrating refugees: Innovative Best Practices From Around The Globe; Freiburg, 12. -13. April 2018

Transregional Migration, Mobility and Forced Displacement: Moving Beyond Methodological Nationalism; Jahrestagung CrossArea Verein, Freiburg, 9 -10 November 2017